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Es begann auf Makulatur. Kugelschreiber, krakelige Schrift, ein Gedanke im Vorbeigehen notiert, weil er sonst verflogen wäre.
Zwei Worte nur: «Wort halten.»

Und, weil ein Gedanke selten allein kommt, gleich eine Ergänzung dahinter, aus der Erinnerung an ein Experiment, das ich ziemlich schadlos überlebt habe.

Wort halten, dies bestimmt nicht ausgelegt als Redezeit an Sitzungen, wo die Netto-Sprechminuten zählen und am Ende trotzdem niemand irgendetwas hält.
Wort halten, gemeint als das Alte sowie das Schöne als eine Abmachung, ein Handschlag und ein Blick, der genügt.
Gespräch, Verhandlung, Handschlag. Es gibt kaum etwas Schöneres. ☺️

Und doch, kaum steht der Satz auf dem Papier, meldet sich der Widerspruch. Denn ich kenne Subjekte mit einem „m“ für männlich im Pass, die diese schöne These so dermassen über Bord werfen würden, dass einem schwindlig wird.
Ein Mann, ein Wort? Schön wärs! Die Wirklichkeit hat mir andere Männer gezeigt … und einige Frauen gleich dazu.

Der Satz, der mich im Grab noch dreht

Es gibt diesen einen Satz, den jeder kennt und kaum jemand hinterfragt: «Geld verderbe den Charakter.»
Dieser Satz lässt mich schon zu Lebzeiten rotieren und ich fürchte, er wird mich im Grab noch drehen.

Denn er stimmt nicht.
Nicht das Geld verdirbt, es ist die vermeintliche Macht dahinter.
Gib jemandem Macht über dich und schau, was passiert. Das ist die eigentliche Prüfung, nicht der Kontostand.

Just hier lohnt sich eine Präzisierung, die den ganzen Unterschied macht, nämlich…..

«Macht verdirbt gar nichts.
Macht enthüllt.»

Macht schafft keinen neuen Charakter, sie entfernt nur die Bremsen vom vorhandenen.

Die Lusche war schon vorher eine Lusche, ihr fehlte bloss die Gelegenheit.
Wer anständig bleibt, sobald er es sich leisten könnte, es nicht zu sein, der war schon vorher anständig.

Macht ist ein Entwickler, im fotografischen Sinn. Das Bild war immer schon auf dem Film.
Die Macht hält es nur ins Entwicklerbad, bis sichtbar wird, was von Anfang an da war.
Manchmal erscheint ein Mensch … manchmal erscheint – etwas anderes.

Die Alten kannten dafür eine gröbere Version, nämlich das «in vino veritas».
Im Wein liege die Wahrheit, weil der Alkohol die Bremsen löst und zum Vorschein bringt, was nüchtern verborgen bleibt.

Der Gedanke ist derselbe, nur zielt er daneben, denn es wäre schön unpraktisch, müsste vor jedem Projekt eine Sauforgie stattfinden, um zu sehen, was die Lusche nüchtern zurückhält und feuchtfröhlich offenbart. 🥂

Die Macht ist das nüchterne in vino. Sie braucht keinen Wein, sie braucht nur Gelegenheit und die Wahrheit, die sie ans Licht holt, ist verlässlicher als jede vom Rebensaft geliehene.

Das Indiz, das ich mir wünsche und das es nicht gibt

Was ich mir also wünsche, ist ein Indiz.
Etwas, das mir im Voraus zeigt, wie integer, wie authentisch und wie ehrlich mein Gegenüber ist. Ein Frühwarnsystem für den Charakter. Eine Anzeige , die auf Rot springt, bevor der Schaden entsteht.

Dieses Indiz gibt es leider nicht. Das ist die unbequemste Einsicht auf dem ganzen Zettel für mich.

Denn genau die Lusche, vor der ich mich schützen möchte, ist Meister_in im Erzeugen falscher Indizien. Das viele Bla Bla sowie das grosse Gerede und die warme Luft, all das ist bereits der Tarnanzug. Die eleganteste Behauptung von Integrität kommt fast immer vom Falschen. Der Integre behauptet gar nichts, denn er tut einfach und sehr oft ohne zu labern.

Denn Integrität ist leise.
Denn Integrität beweist sich nicht im Versprechen, sondern erst hinterher, im Moment, wo Wortbruch etwas einbringen würde und trotzdem nicht passiert. Vorher ist alles nur Ankündigung.

Deshalb gilt für die Integrität dasselbe wie für das Leben überhaupt:
sie werden beide vorwärts gelebt und rückwärts verstanden.

Die Randnotiz, über die ich nicht spreche

Auf dem Zettel steht eine Erinnerung, die ich hier nur andeute, weil sie mir gehört und nicht der Öffentlichkeit. Ein Engagement, das letztes Jahr endete. Viel Gerede, viel warme Luft und viel Ankündigung. Einen Handschlag gab es nicht, dafür einen Vertrag.

Just da liegt die Pointe, die kein Paragraph auffängt.
Was nützt etwas in Stein Gemeisseltes, wenn die darunterliegende Absicht nicht wohlwollend ist, sondern berechnend und fies?

Der Vertrag hält das Papier zusammen, der Vertrag hält nicht den Menschen.
Das Papier war nie das Problem und der Handschlag war nie die Lösung. Beide sind nur Gefässe.

Was zählt, ist der Charakter, der hineingegossen wird.

Ich habe diese Zeit überlebt. Sagen wir es so … wäre Weitkotzen olympisch, hätte ich damals mehrfach Gold geholt.
Aber ich habe etwas mitgenommen, das kein Vertrag mir je beigebracht hätte. Ich habe zugesehen, wie sich ein Bild entwickelt, wenn jemand meint, die Bremsen seien jetzt gelöst.

Lehrgeld war es und kein leergeld, denn ich habe viel gelernt und ging dabei nicht leer aus in Sachen Erkenntnissen.

Also kein Radar, sondern Homöopathie

Wenn es das Frühwarnsystem nicht gibt, was dann?
Die Antwort steht nicht im Erkennen, sie steht im Dosieren.

Vorschussvertrauen ist teuer und riskant, das habe ich gelernt. Also gebe ich es nicht mehr blind.
Doch, die Hand dauerhaft auf der Schatztruhe zu halten, ist auch keine Lösung, denn wer nur noch Prüfungen erteilt, hat kein Vertrauen mehr zu vergeben.

Der Integre, genau der, den ich suche, riecht das sofort.
Er hat keine Lust, sich durch ein Casting zu bewegen. Die Lusche dagegen bleibt und spielt begeistert mit, denn Beweise fälschen ist ihre Kernkompetenz.

Der Ausweg ist Homöopathie für das Vertrauen.
Tiefdosiert beginnen, biete nicht die ganze Truhe, sondern eine Münze. Dann heisst es zusehen, wie sich das Bild entwickelt.

Hält das Gegenüber die kleine Abmachung, folgt die nächste, grössere. Ein Crescendo, das ins Hochdosierte steigt, bis gegenseitige Integrität etwas ermöglicht, das fulminant ist. Die Truhe geht nicht auf einen Schlag auf. Die Schatztruhe öffnet sich stufenweise, im Takt des Bewiesenen. Der Integre versteht das, weil er selbst so handeln würde.

Drei leise Messpunkte unterwegs

Womit die Indizien einen neuen Status bekommen. Sie warnen nicht vorher, denn das kann keins.
Sie sind Beobachtungspunkte während der kleinen Vorschüsse.

Ich habe für mich deren drei, an denen ich festhalte.

Erstens
Wird aus einem «ich kümmere mich darum» in vertretbarer Zeit auch ein erledigtes Ding, dann geht es eine Stufe höher.
Das gehaltene Wort zählt, nicht das gesprochene.

Zweitens
Wird Aufgabe, Kompetenz und Verantwortung klar definiert und dann auch eingehalten, dann weiter auf die gemeinsame Reise.
Wer das AKV-Prinzip kennt, weiss, warum das kein Detail ist, sondern das Fundament.

Drittens
Das ist der Kronjuwel 👑.
Passiert ein Fehler, ein Bug im Projekt und der Reflex ist sofort die Schuldzuweisung, dann zurück auf Feld eins wie bei Eile mit Weile. Wird der Fehler aber sachlich angeschaut und gemeinsam geklärt, wie er künftig nicht mehr passiert, dann weiter rein in die Truhe.

Der dritte Punkt verdient einen eigenen Gedanken.
Eine Verhandlung kann man schauspielern, den Reflex in der ersten Sekunde nach dem Fehler kann man jedoch nicht schauspielern.

Wer da «wer war das» manifestiert, hat in dieser Sekunde verraten, dass ihm/ihr die eigene Weste wichtiger ist als das gemeinsame Werk.
Wer fragt «wie verhindern wir das künftig» stellt das Werk über sich. Da fällt die Maske, ob man will oder nicht. Der Bug ist der Auslöser, der das Bild endgültig belichtet.

Fällt dir/euch auf, was die drei gemeinsam haben?
YES, ganz genau, keines misst Erfolg.
Keines fragt, ob einer gut ist, klug resp. fehlerfrei.
Alle drei messen, was passiert, wenn es unbequem wird. Sie messen Charakter unter Last.

Charakter unter Last ist die einzige Integrität, die zählt, denn die Schönwetter-Variante ist gratis, nicht zielführend und beweist nichts.

Vergeben ja, vergessen nein

Ein letzter Gedanke sei mir gewährt, weil er sonst als Rachsucht missverstanden wird.
Vergeben kann ich noch recht gut, Vergessen kann ich nicht, dafür bin ich zu sehr Elefant.

Das ist kein Widerspruch, das ist Reife.
Vergessen wäre dumm, es würde denselben Fehltritt zweimal kosten.
Nicht vergeben zu können wäre Gift, es würde mich vergiften, nicht den anderen.

Der Elefant vergisst den Weg zum Wasserloch nie, das hält ihn am Leben. Dennoch trägt er keinen Groll, er trägt Wissen.
Das ist der Unterschied zwischen nachtragend und lernfähig.

Ich behalte die Landkarte und gebe den Weg trotzdem wieder frei.

Und der Handschlag?

Er ist nicht tot … er ist glücklicherweise erwachsen geworden.
Nicht mehr der naive Vorschuss an jeden, der schön redet sondern das, was am Ende des Crescendos steht, wenn beide sich verdient haben, dass die Truhe ganz aufgeht.

Gespräch, Verhandlung und Handschlag … ja bitte beibehalten. Doch der Handschlag kommt nun zuletzt, nicht zuerst.
Er besiegelt, was sich bewiesen hat, statt zu hoffen, was sich vielleicht beweisen wird.

Charakter, nicht Lusche.
Das ist der Kern der ganzen Geschichte, und weil Integrität leise ist, wird man sie nie am lauten Versprechen erkennen, sondern immer erst am stillen Halten.

Rückwärts verstanden, vorwärts gelebt.

La vita è bella.😎 Auch die, die man überlebt hat.
Herzlichst, dein/euer Maurizio

In eigener Sache

Ich bin kein Soldat und keine Ameise – ich bin viel mehr Visionär und Superstar, welcher dir als Mensch oder deiner Firma mit viel erfahrenem Wissen begleitend zur Seite stehen mag.

Aktuell habe ich noch ein wenig Kapazitäten in der Agenda und würde mich auf ein Gespräch resp. einen Austausch mit dir sehr freuen.

Meine Koordinaten findest du hier auf meiner Webseite.

Weiter – diesen Blog-Artikel habe ich reduziert auf auch LinkedIn publiziert. Willst du da mit mir in Kontakt treten oder dich mit mir vernetzen, dann klicke auf den Link hier rechts: https://www.linkedin.com/pulse/integrit%25C3%25A4t-ist-leise-maurizio-tondolo-4enfe

Tschüss und viele lehrreiche Erkenntnisse an dich, denn diese sind unser lebenslanges Lernen.