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Was mich ein Arbeits-Wochenende an einem See über das Geben, das Nehmen und das eine Wort gelehrt hat, das alles verändert..

Manchmal bringt nicht ein einzelner Tropfen das Fass zum Überlaufen, sondern die stille Summe vieler Tropfen, die man jahrelang geduldig aufgefangen hat. So ging es mir letzthin.

Mitten in einem ganz normalen Tag stand plötzlich die Frage im Raum, ob die Welt wirklich so verkommen ist, dass man bestraft wird, wenn man gibt, wenn man sich einbring und wenn man lieb ist.

Die Aktiven tragen immer mehr, die Lauten reden immer mehr und dazwischen … scheint sich eine bequeme Mehrheit eingerichtet zu haben, die einfach geschehen lässt. Michael Ende hat dafür ein Bild geschaffen, das mir seit Tagen nicht mehr aus dem Kopf geht – die grauen Herren, die niemandem etwas wegnehmen, sondern es sich freundlich schenken lassen und dabeo hektische, ausgelaugte Menschen zurücklassen, die nicht mehr wissen, wohin ihre Zeit verschwunden ist.

Wer schon einmal das Gefühl hatte oder diese «Floskel» hören musste, das beste Ross im Stall zu sein und sich gleichzeitig zu fragen, warum dieses Ross eigentlich im Stall steht, der/die ist hier richtig. Genau dort beginnt nämlich diese Geschichte.

Die falsche Frage und die unbequeme Antwort

Meine Annahme, mit welcher ich startete, war schmeichelhaft und falsch zugleich. Schmeichelhaft, weil sie mich auf die Seite der Guten stellte und die Welt auf die Seite der Schlechten. Falsch, weil sie mir die Verantwortung aus der Hand nahm. Ich belog mich damit quasi selbst.

Man wird nicht ausgenutzt, weil die Welt schlecht ist.
Man wird ausgenutzt, weil man ein System anbietet, in dem Ausnutzen reibungslos funktioniert.

Das klingt im ersten Moment härter, als es gemeint ist. Denn – in Wahrheit ist es die bessere Nachricht von beiden. An einer verkommenen Welt kann niemand schrauben … an einem System, das man selbst mitgebaut hat, sehr wohl. 🥂

Die Last fliesst dorthin, wo sie aufgenommen wird. Wasser sucht stets den tiefsten Punkt, das ist beinahe physikalisch.
Wer zuverlässig auffängt, wird beladen. Das Bittere daran ist, dass es selten persönlich gemeint ist.

Die meisten, die einem Arbeit zuschieben, denken keine Sekunde über einen nach. Sie sehen eine Fläche die trägt spwoe einen Menschen der trägt … und legen ab.

Das ist ja das eigentlich Ernüchternde, es steckt nicht einmal böse Absicht dahinter, sondern nur Bequemlichkeit, die einen verlässlichen Empfänger gefunden hat.

Lieb sein und nicht nein sagen können sind zwei verschiedene Dinge

Hier liegt der erste geschliffene Stein, der noch ungeschliffen noch ein wenig in der Hand drückt.
Lieb sein ist eine Haltung.

«Nicht nein sagen können ist eine Schwäche,
die sich gern als Haltung verkleidet.»

Sich selbst als «zu lieb für diese Welt» zu sehen, fühlt sich edel an und ist die angenehmere Erzählung.
Die unangenehmere lautet, dass ein NEIN Konflikt und Enttäuschung bedingt. Das kurze und unbequeme Gefühl, jemanden vor den Kopf zu stossen. Wer das vermeidet, vermeidet nicht aus Güte, sondern aus Konfliktscheu und verkleidet die Scheu als Grosszügigkeit.

Welche der beiden Varianten bei einem selbst greift, weiss nur du resp. ich selbst und die ehrliche Antwort darauf ist der erste echte Schritt.

Worthülsen sind Fesseln mit einer Schleife darum.
📿

Dann kam die Summe ans Licht. Die Summe jener Sätze, die sich über Jahre angesammelt hatten.

  • Das beste Ross im Stall …
  • Wir wären aufgeschmissen ohne dich …
  • Du darfst mich/uns nicht verlassen …

Alles in warmem theatralischem Ton vorgetragen und bestenfalls alles als Kompliment getarnt.

Schauen wir genauer hin.
Ein Ross im Stall ist ein Ross, das nicht läuft.
Das Lob beschreibt im selben Atemzug den Wert und die Stallung.
Es sagt, du bist wertvoll und zwar dies genau dort, wo wir dich haben (wollen), nämlich wertvoll und stillgestellt – beides auf einmal.

Und der Satz, man wäre aufgeschmissen ohne einen, klingt nach höchster Wertschätzung, ist aber bei Licht betrachtet ein Eingeständnis. Ein Eingeständnis, dass nie ein Plan B gebaut wurde, dass nie in Redundanz, Nachfolge und Partnerschaft auf Augenhöhe investiert wurde.

Die eigene Unersetzlichkeit ist in Wahrheit der Organisationsfehler …
… und die Unfähigkeit der anderen, den sie einem als Krone aufsetzen.

Eine schöne 👑 Krone, ja …. aber eben doch eine, die festhält.

Das Perfide an diesen Worthülsen kaschieren sich in deren Mechanik. Sie wirken nur bei jemandem, der gibt.

Bei einem Nehmer würden sie verpuffen, dies ungehört sowie wirkungslos. Man bespielt also gezielt die Saite, von der man weiss, dass sie schwingt. Auch die grauen Herren drohen nie. Sie überreden, sie schmeicheln, sie rechnen einem vor, wie viel man gewinnt, wenn man nur ein bisschen mehr von sich hergibt.

Der Griff nach dem Wachs trägt immer einen freundlichen Handschuh.

Deshalb fühlt sich das Lob auch so widersprüchlich an.

Man wird gelobt und in gleichem Atemzug fühlt es sich leerer an.
Das Lob ist nicht die Belohnung, das Lob ist vielmehr der Treibstoff für die nächste Runde des Tragen.

Zwei Kerzen, die einzeln leuchten

Ich persönlich darf ein wertvolles Bild von Partnerschaft leben, das hier quasi metaphorisch alles zusammenhält:

«Wahre Grösse einer Verbindung zeigt sich erst dann,
wenn beide als einzelne Kerze für sich allein leuchten können und
sich als Paar dennoch zu einer gemeinsamen Flamme vereinen.»

Erst dann geht die Post so richtig ab, und nicht vorher.

Was fordernde Systeme anbieten, ist das genaue Gegenteil davon. Sie wollen nicht, dass die eigene Kerze einzeln brennt. Sie wollen dein Wachs als deren Energie, analog den Zeitdieben aus dem Roman von Michael Ende namens «Momo».

Eine Beziehung unter Gleichen erträgt es, wenn der andere geht, weil sie auf Augenhöhe und gegenseitiger Wertschätzung gebaut ist und nicht auf Abhängigkeit.
Wer einem hingegen sagt, er/sie sei ohne einem aufgeschmissen, gesteht damit unfreiwillig und glasklar ein, dass er/sie nie eine Partnerschaft wollte, sondern eine Versorgung resp. einen Rollator (nächlich dich) als eigene Gehhilfe.

Und an dieser Stelle fügt sich auch das Wort, vor dem so viele Aktive irgendwann stehen, nämlich das gefürchtete Ausgebrannt oder eben … Burnout.
Da liegt die Wortwurzel plötzlich offen.
Man brennt nicht aus, weil zu wenig Kraft da war. Man brennt aus, weil man für andere gebrannt hat, die nie vorhatten, selbst eine Flamme zu sein.

Es ist nicht das Geben an sich, das verheizt.
Es ist das Geben an der falschen Stelle, an Empfänger, die den Wachs nehmen und nie ein eigenes und selbsttragendes Licht entzünden.

Eine Kerze, die für drei andere mitbrennt, leuchtet nicht heller … sie ist nur schneller leer.

Grosszügigkeit ohne Grenze ist deshalb keine Tugend.
Grosszügigkeit ohne Grenze ist eine Selbstauslöschung mit gutem Ruf.

Das ominöse und viel zitierte «Nein als Ja zu sich selbst»

Hier kippt die ganze Sache vom Klagen ins Handeln.
Ein klares Nein an die Forderer ist kein Akt der Härte. Es ist ein unmissverständliches Ja zu sich selbst.

Sich des eigenen Wertes bewusst sein zu dürfen, ist ein wertvolles und wertbringendes Fundament für das eigene Wachstum und dafür, weniger zum Opfer oft grenzenlos fordernder Subjekte zu werden.

«Wer den eigenen Wert kennt,
braucht das Lob der anderen nicht mehr als Treibstoff.»

Damit verliert die Worthülse ihre Wirkung. Die Saite schwingt nicht mehr, weil sie nicht mehr gespannt ist auf fremde Bestätigung.

Und – das grösste Geschenk eines solchen Neins geht nicht an die Forderer. Das grösste Geschenk eines solchen Neins geht an einen selbst.

Die leise Grenze

Doch hier ist Vorsicht geboten, sonst wird aus der einen Falle gleich die nächste. Denn, das JA zu sich selbst darf nicht zur neuen Maske werden. Es gibt eine Version von Selbstwert, die genauso unfrei ist wie das ewige Jasagen, nämlich jene, die aus jedem Nein einen kleinen Triumph machen muss.

«Wer beweisen muss, dass er Grenzen hat,
hat sie noch nicht verinnerlicht, sondern führt sie (laut) vor.»

Die reife Grenze ist leise.
Die reife Grenze braucht weder Manifest, Triumphgefühl noch Gegner.

Die reife Grenze sagt einfach nein und kehrt zum Tagesgeschäft zurück, ohne sich dafür zu beglückwünschen und ohne, fast noch schlimmer, sich dafür zu rechtfertigen oder entschuldigen.

Genau darin liegt die feinste Pointe.
Nein und ein Punkt dahinter und bestimmt weder Komma, weil und auch kein du verstehst schon … kein bla bla bla.

Das Komma ist die Einladung zum Verhandeln.
Der Punkt schliesst die Tür.

Wer sich erklärt, hat im Grunde schon zugegeben, dass die Forderung legitim genug war, um eine ausführliche Antwort zu verdienen.

Nein und ein Punkt dahinter.
Mehr braucht es nicht.

Was man trägt und was man nicht trägt

Es gibt einen Satz, der das alles zusammenhält.

«Wer weiss, warum er trägt,
lässt sich schwerer erschüttern
als wer nur weiss, für wen er trägt.»

Der nächste Schritt darin ist subtil und entscheidend. Wer weiss, warum er trägt, weiss auch, was er nicht trägt.
Das Warum ist kein Lastenheft, es ist ein Filter. Es sortiert nicht nur, wie etwas getragen wird, sondern vor allem, was gar nicht erst auf die eigenen Schultern gelegt werden darf.

Das Geben bleibt.
Es soll bleiben, denn die Welt hat eindeutig ZU WENIG davon und bestimmt nicht zu viel.
Wer gibt, wer sich einbringt, wer lieb ist im besten Sinn des Wortes, der hört damit nicht auf.

Der einzige Unterschied von heute an für die eigene Zukunft ist ein anderer:

«Das Geben ist wieder eine Entscheidung und kein Automatismus mehr.
Das Geben ist fortan eine Wahl und keine Schuldigkeit.»

Die Wegelagerer, die am Strassenrand des eigenen Weges stehen und Wegzoll in Form von Wachs, oder wie bei «Momo» deine Zeit verlangen, verlieren ihre Macht in dem Moment, in dem man weiss, dass man ihnen nichts schuldet.

Das Schöne an Momo ist, dass sie die grauen Herren nicht mit lautem Kampf besiegt. Ihre einzige Gabe ist das Zuhören und das ganz bei sich bleiben. Genau das ist die leise Grenze in Person:

– kein Manifest,
– kein Gegner, sondern

nur ein Mensch, der unbeirrbar er selbst bleibt. Wer so steht, dem nimmt niemand mehr den Wachs, weil es schlicht nichts mehr zu schmeicheln gibt.

«Der Lärm der Welt wird nicht leiser.

Der Lärm der Welt erreicht einen nicht mehr auf dieselbe Weise,

wenn man weiss, warum man geht und wohin.

Einzeln leuchten und dies dort, wo eine zweite Kerze ebenfalls für sich brennt und scheinen kann, sich zu einer gemeinsamen Flamme vereinen.

Dann, und ERST DANN, geht die Post ab.

In eigener Sache und über mich …

Solche Themen und Weitere sind meine geistige Nahrung, hier in einem BLOG verwoben, welche ich für meine Partner und Kunden vertiefe und in Projekten ausrolle.

Denn, wo brachliegende oder schwer realisierbare Projekte den Fluss des geschäftlichen Alltages hemmen, da stosse ich mit Lebensenergie und Feingefühl dazu, um mit Effektivität und mit plakativem WD40 wieder alles ins Rollen zu bringen.

Ich stehe dir, deiner KMU und deinem Team gerne zur Verfügung.

Den ersten Schritt mit Kontaktaufnahme darfst gerne du beschreien.
Ab dann schauen wir, dass wir mindestens als zwei eigenständige weiterscheinen.

Dies für dich, dein Team und dein Business.

La vita è bella! 😎
Herzlichst, dein Maurizio


PS:
Dieser Blog-Artikel ist am Di., 02.06.2026 in reduzierter und adaptierter Form auch auf LinkedIn publiziert worden.
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