Über Aufgabe, Kompetenz und Verantwortung sowie dem warum, dass eine Citroën DS mehr über Führung weiss als manches Organigramm.
Kaum ist ein Gedanke gelebt und zu BLOG getragen, klopft der nächste bereits an. Diesmal dreht sich die Parade um drei Worte, die zusammengehören wie ein dreibeiniger Hocker und in der Praxis dauernd auseinanderfallen.
Ich bin bei Aufgabe – Kompetenz – Verantwortung.
Eine Fahrt in drei Akten, am Steuer ein Mann, der sich um Regeln foutiert und unter ihm ein Auto, das aussieht, als würde es schweben.
Akt 1 – Drei Hände am Steuer
… und, warum Verantwortung ohne Kompetenz nichts anderes ist als getarnte Entmachtung.
Patrick Jane, aus der US-amerikanische Krimiserie «The Mentalist», fährt eine Citroën DS. Wer die Serie kennt, weiss, das ist kein Zufall der Requisite. Ein Wagen als Ikone, der aussieht, als schwebe er über dem Asphalt, gelenkt von einem Mann, der sich um Regeln foutiert, der die Aufgabe in Sekunden erfasst und sich die nötige Kompetenz nimmt, ohne lange zu fragen.
Patrick Jane trägt die Verantwortung für seinen Weg. Ausser – ja, bei Gewalt … dort zieht er (s)eine Linie und zeht Leine.
Jane ist die wandelnde Antithese zu allem, was in vielen Organisationen schiefläuft. Er hat das Steuer in der Hand und er fährt gleichzeitig selbst.
Genau darum geht es – um das Steuer.
Drei Dinge gehören zusammen, sobald gearbeitet wird. Sei dies als Angestellter auf der Lohnliste oder im Projekt resp. Mandat.
Die Aufgabe sagt, wohin die Fahrt geht, sie ist das Ziel und das Navi.
Die Kompetenz ist das Lenkrad samt Pedalen, die Befugnis, das Fahrzeug tatsächlich zu bewegen, monetär wie inhaltlich.
Schlussendlich die Verantwortung, sie ist die Haftung für die Fahrt, das Geradestehen, wenn es in den Graben geht.
In der Theorie ein Klassiker, das AKV-Prinzip.
In der Theorie müssen die drei deckungsgleich sein,
sonst kippt das Konstrukt wie ein Hocker, dem man ein Bein weg sägt.
Und in der Praxis? 🤔
Die Aufgabe ist meistens da. Vielleicht (noch) nicht glasklar vorgetragen und manchmal verschwommen. Doch daran lässt sich schleifen/hobeln, bis die Linse scharf ist und das Ziel anvisiert werden kann. So weit, so machbar und so gut.
Bei der Kompetenz hapert es bereits mächtig.
Diese wird kaum je verliehen. Wer abarbeitet, wartet auf Wochenmeetings (BiLa oder wie das Zeugs immer heisst) oder erträgt unsägliche «Meet-Nappings», bekannt als Entführung in ellenlange, selten effiziente Sitzungen, nur um eine Freigabe zu erhalten, die in zwei Sätzen hätte geklärt sein können.
Dabei wäre es so einfach, Kompetenz klar zu definieren … von der monetären Grenze bis zur Stossrichtung.
Dann kommt die Verantwortung – und DIE kommt zuverlässig, wie das AMEN in unseren Kirchen.
Wenn etwas in die Hose geht, wenn es hart auf hart kommt, dann wird sie einem aufgeladen, prompt und vollständig.
Hier stellt sich mir die Frage, die unter all dem brodelt….
Weshalb soll jemand die Verantwortung für eine Fahrt tragen, bei der man ihm das Lenkrad festgeklemmt und das Ziel bestenfalls nur gemurmelt hat?
Die unbequeme Antwort lautet – das Auseinanderfallen der drei ist kein Versehen.
Es ist kein Organisationschaos, das niemand in den Griff bekommt.
Es ist ein System, und jedes System hat einen Nutzniesser.
Wer die Kompetenz nicht verleiht, behält die Kontrolle.
Wer die Verantwortung nach unten reicht, behält die Unschuld. 🤔
Man setzt dich ans Steuer, klemmt dir das Lenkrad fest und dann, wenn der Wagen im Graben liegt, warst du der Fahrer. 😳
Verantwortung ohne Kompetenz ist darum nicht einfach Pech.
Verantwortung ohne Kompetenz ist getarnte Entmachtung.
Auf dem Rücksitz sitzt derweil eine Figur, die ich der Einfachheit halber «VoSi» nenne, als Abkürzung für die «Vorgesetzte-Sicherheit». Der StaSi-Klang darf ruhig einen Moment nachhallen….und ich nehme ihn gleich wieder zurück. Doch – die Verwandtschaft ist nicht zufällig.
Der/Die/Das «VoSi» führt mit Kontrolle, weil er/sie/es glaubt, Menschen müssten geführt, sprich überwacht werden. VoSi hält beide Hände am Lenkrad, korrigiert jede Spurbewegung und nennt das Ganze dann auch noch Führung. 🤔
In Wahrheit fährt niemand, denn der Wagen ruckelt, weil zwei lenken und keiner verantwortet.
Die DS hatte übrigens eine Hydropneumatik, also ein Fahrwerk, das den Wagen bei einer Panne nicht absacken liess, sondern sanft anhielt. Vertrauen, fest verbaut ins System.
Merken wir uns dieses Bild … es wird im dritten Akt wichtig und nochmals aufgegriffen.
Akt 2 – Wer fährt, will lenken
… und, über die Haltung, die aus einem Lenkenden einen Fahrer macht.
Es gibt einen Satz, der Steve Jobs zugeschrieben wird und der das ganze Dilemma des «VoSi» in einer Bewegung umdreht. Sinngemäss heisst es:
Es ergibt keinen Sinn, kluge Köpfe einzustellen und ihnen dann zu sagen, was sie tun sollen.
Man stellt kluge Köpfe ein, damit sie einem sagen, was zu tun ist.
Lies das zweimal, denn dort liegt die ganze Haltung.
Man muss schon ein rechter Ochse sein, Profis an Bord zu holen und ihnen anschliessend vorzubuchstabieren, wie sie ihre Arbeit zu verrichten haben.
Wer Profis holt, holt sie, damit sie dem System sagen, was zu tun ist – wie, wann und warum.
Das ist keine Schwäche der Führung, das ist vielmehr ihre höchste Form.
Die Aufgabe wird gesetzt, das Ziel klar benannt und dann wird das Lenkrad demjenigen überlassen, der fahren kann.
Der «VoSi» kann das nicht. Dies nicht, weil er böse wäre, sondern weil er Angst hat. Er denkt in einer einzigen Achse «Kontrolle gegen Kontrollverlust» und in dieser Welt gibt es nur zwei Zustände, entweder ich halte das Lenkrad, oder das Chaos bricht aus.
Also greift er vorsichtshalber ein, bei jeder Kurve, bei jedem Spurwechsel, bei jeder deiner Handlungen. Er führt mit Angst und Bange sowie eigener Unsicherheit, weil und indem er seine eigene Angst auf alle anderen projiziert.
Wer so geführt wird, sitzt in einem Überwachungsstaat und wird wie ein Bonsai klein gehalten. Nicht der Staat überwacht hier, sondern der «VoSi» auf dem Rücksitz, der jede Bewegung kommentiert und jede Eigeninitiative als Bedrohung an seine Person liest. Das Verheerende daran ist nicht einmal die Kontrolle selbst. Das Verheerende daran ist, was sie mit dem Fahrenden anrichtet.
Wer auf Schritt und Tritt überwacht wird, hört irgendwann auf, selbst zu schauen, wohin die Strasse führt, und wird zur ausführenden Marionette deklassiert. Wozu auch Eigenantrieb, es greift ja ohnehin jemand ein. Et voilà – die tragische Mutation von aktivem Hirnnutzer zu passivem und blossem Hirnbesitzer ist vollbracht.
So züchtet der «VoSi» exakt die Unselbständigkeit heran, die er als Beweis dafür nimmt und auch für seine Unsicherheit braucht, dass man die Leute eben doch führen muss.
Ein perfekter Kreislauf, und ein vergifteter obendrauf.
Hier kommt die eigentliche Frage, die Frage nach dem Tragen. Es gibt einen Satz, der mich seit Längerem begleitet:
Wer weiss, warum er trägt,
lässt sich schwerer erschüttern als wer nur weiss, für wen er trägt.
Im AKV-Kontext entfaltet er seine ganze Wucht. Der «VoSi» gibt dir bestenfalls ein «für-wen». Du trägst nämlich für ihn, für die Abteilung, für die Quartalszahlen, für sein Ego, etc. …
Was er dir verweigert, ist das Warum, und ohne Warum wird jedes Tragen zur blossen Last, zum Schleppen ohne Sinn und ja, zur Belastung für dich und dien Sein.
Wer hingegen das Steuer wirklich in der Hand hat, wer Aufgabe, Kompetenz und Verantwortung deckungsgleich besitzt, der trägt nicht, weil man es ihm befiehlt. Er trägt, weil er weiss, wohin die Fahrt geht und, dass es SEINE Fahrt ist.
Das ist der Unterschied zwischen einem, der ein Lenkrad zugewiesen bekommt und einem, der wirklich und mit AKV-Gleichklang fährt resp. fahren darf.
Patrick Jane trägt seine Verantwortung nicht, weil eine Hierarchie sie ihm aufdrückt.
Patrick Jane trägt sie, weil er sich das Steuer genommen hat und damit auch das Geradestehen.
Genau deshalb lässt er sich kaum erschüttern.
Er kennt sein Warum, und die DS unter ihm schwebt nicht trotz, sondern wegen resp. DANK dieser Klarheit.
Führen mit Vertrauen heisst darum nicht, die Hände in den Schoss zu legen.
Führen mit Vertrauen heisst, das Warum mitzugeben, und nicht bloss das Wohin und dann darauf zu vertrauen, dass ein Profi, der sein Warum kennt, besser fährt als jeder Beifahrer, der ins Lenkrad greift, resp. pfuscht.
Akt 3 – Die Bremse behalten, das Lenkrad abgeben
… und das Tool-Kit für KMU sowie Solopreneure, die loslassen wollen, ohne die Kontrolle zu verlieren.
Jetzt drehe ich den Spiegel.
Bisher sass der Lesende vermutlich auf dem Fahrersitz mit dem festgeklemmten Lenkrad vor sich und nickte….
Kenne ich, leide ich, durchlebe ich und danke fürs Aussprechen. Doch – dieser dritte Akt richtet sich an diejenigen, denen die KMU und Solopreneure am Herzen liegen, weil sie selbst welche sind. So wie mir …
An die Unternehmerin, den Patron und den Inhaber. An euch stelle ich eine unbequeme Frage:
Bist du vielleicht selbst der Beifahrer mit dem Lenkrad?
Dies bestimmt nicht aus bösem Willen, sondern weil es dein Laden ist, dein Name ziert die Tür und es ist ja schliesslich dein Risiko. Loslassen fühlt sich an wie Kontrollverlust, und Kontrollverlust fühlt sich an wie Gefahr.
Genau in dieser Logik steckt der «VoSi» fest, und genau hier liegt der falsche Gegensatz, den es aufzulösen gilt.
Die Lösung steht in jeder Fahrschule.
Der Fahrlehrer sitzt auf dem Co-Pilot-Sitz. Er hat eine Bremse, aber kein Lenkrad. Das ist kein Konstruktionsfehler, das ist das ganze Prinzip. Im echten Notfall kann er eingreifen, den Wagen zum Stehen bringen, bevor etwas ungeplantes passiert. Den Rest, das Lenken, das Schalten, das Einschätzen der Strasse sowie mehr übernimmt die fahrende Person. Sie muss es übernehmen, sonst lernt sie nie fahren und sonst schöpfst du nie und nimmer ihr ganzes Potential aus.
Das ist die Antwort auf den falschen Gegensatz.
Es geht nicht um totale Kontrolle gegen totalen Kontrollverlust.
Es geht um die Bremse statt des Lenkrades.
Als Unternehmer behältst du dein Veto für den echten Notfall, die rote Linie als Leitplanke, dort, wo es wirklich brennt. Das Lenken überlässt du dem Profi, den du genau dafür an Bord geholt hast. Erinnere dich an Jane, der alles übernahm, ausser bei Gewalt.
Selbst der Freigeist kennt die eine Linie, an der die Bremse greift.
Mehr braucht es nicht.
Und hier kommt die Messlatte, die unbequem ehrlich ist. Eine gute Fahrschule erkennt man daran, wie selten der Lehrer bremsen muss. Wer ständig auf die Bremse tritt, hat entweder den Falschen am Steuer oder traut dem Richtigen nicht. Beides ist ein Befund über den Beifahrer, und bestimmt nicht über den Fahrer.
Damit das vom Bild ins Handeln kommt, hier das Tool-Kit für KMU und Solopreneure.
Erstens, das Ziel benennen, nicht den Weg.
Sag und kommuniziere glasklar, wohin die Fahrt geht und warum dorthin.
Das Warum ist kein Luxus, es ist der Treibstoff, der einen Profi besser fahren lässt als jede Wegbeschreibung.
➡️ Den Weg findet er selbst, dafür hast du ihn geholt.
Zweitens, die Kompetenz schriftlich und konkret übergeben.
Wie weit reicht das Budget, ohne Rückfrage?
Welche Entscheide trifft die Person allein, welche bespricht ihr?
Wo verläuft die rote Linie?
Drei klare Sätze ersparen mindestens dreissig «Meet-Nappings».
➡️ Kompetenz, die nur mündlich angedeutet wird, ist keine Kompetenz, sondern eine Falle.
Drittens, die Verantwortung an die Kompetenz koppeln, nie davon trennen.
Wer entscheidet, verantwortet UND, wer nicht entscheiden durfte, verantwortet nicht.
Sobald du jemandem die Schuld für ein Ergebnis gibst, das du selbst hättest freigeben müssen, bist du zum «VoSi» geworden. Diese Kopplung ist der ganze Kern des AKV, alles andere ist Beiwerk.
Viertens, die Bremse definieren, bevor du sie brauchst.
Leg vorher fest, was ein echter Notfall ist, der dein Eingreifen rechtfertigt.
Wenn alles ein Notfall ist, ist nichts einer, und du sitzt wieder mit beiden Händen am Lenkrad.
➡️ Eine gut definierte Bremse macht dich freier, nicht ängstlicher.
Fünftens, zähle deine Bremsungen.
Führe innerlich Buch, wie oft du eingreifst.
Steigt die Zahl, ist das dein Frühwarnsystem. Entweder sitzt der Falsche am Steuer, dann ist das eine Personalfrage, oder du traust dem Richtigen nicht, dann ist das DEINE Frage und bestimmt nicht seine.
Erinnerst du dich an die Hydropneumatik aus dem ersten Akt?
Das Fahrwerk der DS, das den Wagen bei einer Panne nicht absacken liess, sondern sanft hielt.
Das ist das Bild für eine gesunde Organisation.
Vertrauen ist nicht das Fehlen von Sicherheit.
Vertrauen ist die fest ins System eingebaute Sicherheit.
Der Wagen hält, auch wenn der Patron nicht die Hände am Lenkrad hat. Dies eben WEIL das System trägt.
Wer als Unternehmer das schafft, die Bremse zu behalten und das Lenkrad abzugeben, der baut sich keine Truppe von Befehlsempfängern und Zweck-Nickern auf.
Wer als Unternehmer das schafft, baut sich eine Mannschaft von Fahrern, die ihr Warum kennen.
Denn just eine solche Mannschaft lässt sich schwerer erschüttern als jede, die nur weiss, für wen sie trägt.
Zur göttlichen Schlussfahrt
… bleibt eine letzte Sache, und sie ist keinesfalls ein Zufall.
DS, das sind im Französischen zwei Buchstaben, die ausgesprochen «Déesse» ergeben … Déesse für die Göttin.
Citroën hat seinem Wagen nicht umsonst diesen Namen verpasst, er sollte erhaben über der Strasse schweben, dem Profanen entrückt.
Just das ist das Bild für ein Unternehmen, in dem AKV wirklich gelebt und kultiviert wird.
Wo die Aufgabe klar gesetzt ist, die Kompetenz mutig verliehen und die Verantwortung sauber an sie gekoppelt ist.
Dort läuft der Laden ganz DS, oder eben, göttlich.
Nicht, weil oben einer thront und alles dirigiert, sondern weil das System trägt, schwebt und hält. Wie die Hydropneumatik und ja, genau, wie die Déesse.
Die DS fährt am schönsten, wenn der-/diejenige den Lenker ergreift, der sie lenken kann. Und – der auf dem Beifahrersitz darf ruhig die Hand auf dem eigenen Schoss oder neben der Bremse lassen. Gebraucht wird sie selten.
Genau das ist das Zeichen, dass alles DS und göttlich läuft.
La vita è bella 😎, auch und gerade am Steuer.
Dein/euer Maurizio
In eigener Sache
… für dich und mich.
Diese und weitere Gedankenreisen, genährt durch erfahrenes Wissen, findest du auf meinem Blog. Wenn du mit mir über die DS sowie Patrick Jane sinnieren magst resp. darüber hinaus, findest du diesen Beitrag gekürzt auch auf LinkedIn über folgenden Link: https://www.linkedin.com/posts/mauriziotondoloone_akv-leadership-kmu-activity-7469984162960003072-Kjq0?utm_source=share&utm_medium=member_desktop&rcm=ACoAAAwFwl0BaSGt0XzH4-0a4YXosJhldrfAGBI
Als Metaphormist geleite ich dich/euch wie die DS in Fahrt, wenn ich auf der Metaebene formen und erschaffen kann. Sei dies als Interim-Einsatz, Sparring-Partner, Projektretter, Ideenerschaffer oder mehr.
Wo ein Projekt brachliegt resp. schwer realisierbar erscheint und wo aus Chaos eine Struktur erwünscht wird, da gedeihe ich auf.
«Mich muss man erlebt haben» – so mehrfach die Aussage von Mandats-Partnern.
Wann magst du mich erleben? 😉
Den ersten Schritt darfst du beschreiten, die Weiteren begehen wir gemeinsam bis durch die Ziel-Linien der Reisen.